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Nach dem Tausch eines restaurierten Modellschiffs
bekam ich eine rampo- nierte Graf Spee von
Aeronaut, die ich als Admiral Scheer
wiederherstellen wollte. Ich könnte auch den
kompletten Bausatz samt Beschlagteilesatz einer Admiral
Graf Spee verwenden, doch reizt mich die Arbeit der
Aufarbeitung des alten Modells mit dem Rumpf in Schichtbauweise.
Offenbar handelt es sich bei dem Modell um eine
sehr frühe Version, da das Material des Rumpfes Abachi und vielleicht Lindenholz ist. Offenbar wurde das
Modell nicht für den Einsatz im Wasser gebaut.
Da die Aufbauten mit Schmutz und vielen
Beschädigungen übersäht sind, bedeutet, dass ein gerüttelt Maß an Arbeit
ansteht, um das Modell optisch aufzuwerten und
noch dazu schwimm- und fernsteuerbar zu machen.
Die
Entscheidung das Modell als Admiral Scheer zu
verwirklichen, ist dem seltsamen Umstand dessen
Verbleibs, verschüttet im ehemaligen Hafen- becken von
Kiel, zuzuordnen.
Technische
Daten Schwerer Kreuzer KMS Scheer, M 1:200:
Länge: 920mm, Breite: 108mm, Tiefgang:
... mm,
Fahrgewicht: ~1900g, Motor: 2x R-370-CE
12V/8500U/Min, Propeller 2 x 3Bl 25mm Dm, gegenl., Regler: New Rain 35A,
Akku: 2S LiPo 5200mAh, Fernsteuerung: Flysky FS-i6X,
Funktionen:
Fahrtrichtung, Geschwindigkeit, Ruder
Historisches zum
Panzerschiff Admiral Scheer
Kurzfassung:
Entsprechend den Friedensbestimmungen der Siegermächte
nach dem Ersten Weltkrieg durfte Deutschland nur kleine
Kriegsschiffe bauen. Die Engländer benannten
die Schiffe herabwürdigend als "pocket battleships",
doch waren sie gewarnt, ob der starken Bewaffnung,
Geschwin- digkeit und Reichweite. Daher
entwickleten die Deutschen Kreuzer in Leicht- bauweise,
die jedoch eine starke Bewaffung aufwiesen. Es
entstanden die Panzerkreuzer, die danach als
Schwere Kreuzer bezeichet wurden, wie die Lützow (vorher
Deutschland), die Admiral Scheer und die Admiral
Spee. Die Admiral Scheer wurde 1934 in
Dienst gestellt und kenterte im April 1945 nach
britischer Bombardierung im
ehemaligen Kriegshafen von Kiel. Am
gekenterten Schiff wurden nach Kriegsende unter
Beobachtung der Engländer alle über
Wasser reichenden Teile des Rumpfs abgewrackt
und die 8 Dieselmotore ausgebaut. Der Rest des
Schiffs blieb liegen und wurde mit dem Schutt
und den Trümmern der ebenfalls bombardierten
Gebäude und Anlagen zugeschüttet. Neueste Erkenntnisse
besagen, dass das Wrack mit dem Großteil der
Aufbauten und der Bewaffnung noch dort, wo ehemals das Hafenbecken war, heute
noch unter einer Rasenfläche begraben liegt. Das Schiff
war im spanischen Bürgerkrieg eingesetzt, in Norwegen,
in der Ostsee und sogar im Südatlantik
unterwegs, ohne
große Schäden abzube- kommen. Erst gegen
Kriegsende, beim
Aufenthalt im Kieler Hafen wurde das bisher glückhafte
Schiff zum Kentern gebracht.
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Panzerschiff KMS Scheer
 das
Bild vom gekenterten Schiff

das Modell (Aeronaut, Version Holzrumpf)

der derzeitige Bauzustand
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Die Restaurierung der Admiral Scheer
Wie bei mir üblich, wurde zuerst das vorhandene
Modell genau beäugt, um abschätzen zu können, was an
Arbeiten anfällt. Danach wurde das Deck mit den ziemlich
beschädigten Aufbauten abgenommen, um in den
Rumpf hineinsehen zu können. Innen sieht es gut aus,
jedoch ist der Platz für eine Steuerung, den Akku,
den Regler
und die Antriebsmotore knapp. Noch dazu wird eine
erkleckliche Menge an Blei- platten am Rumpfboden
unterzubringen sein, da die Aufbauten schwer zu wiegen
scheinen und damit das Auskrängen des vom
Standmodell zum Fahrmodell umzubauenden Schiffs, im Rahmen
bleibt.
Der erste große und heikle
Arbeitsteil war die Reinigung der Aufbauten mit
Seifenwasser. Danach
konnten zuerst die großen Bauteile repariert
und neu angeklebt werden. Zwischendurch wurden
die aus- gefädelten und verbogenen Relingzüge
begradigt, in die Steher eingefädelt und mit
Sekundenkkleber gesichert.
Anschließend
wurden die Maste geradegebogen und die Antennen wieder neu
angeordnet. Zuletzt wurden beide Kräne repariert und
in die im Fahrbetrieb übliche liegende Stellung
gebracht. Wegen
der Frage, ob das Modell ferngesteuert werden kann
und Fahrbgetrieb möglich sein soll, muss große
Sorgfalt auf die Gewichtsverteilung am und im Schiff
gelegt werden. Daher wurden die einzelnen Teile
gewogen und die Gewichte der künftigen Einbauten
angenommen.
Gewichtsverteilung:
Aufbau mit einem Turm 390g, Heckdeck
20g, Rumpf mit Bugdeck und Turm 835g = 1245g, Akku
130g, Servo 10g, 2 Motore 80g, Empfänger 30g,
Regler 40g = 290g. Fahrgewicht voraussichtlich
1235g, nach Expertenmeinung bis 2000g Da die Aufbauten relativ schwer wiegen
und zum Auskrängen beitragen werden, mussten am Rumpf-
boden ausreichend viele Bleiplatten aufgelegt werden.
Heikel wird sein, wie tief das Modell danach eintaucht und
von der Wasserlinie entfernt ist.
Nach
anfänglicher Unsicherheit, ob das Modell schwimmfähig
wird, wurde vorerst nur mit dem Rumpf ein Schwimmtest
durchgeführt. Der Rumpf dringt dzt. noch gering ins Wasser
ein, wodurch angenom- men wird, dass mit
ausreichend Bleiplatten am Schiffsboden und mit leichten
Einbauten ein ordentlicher Fahrbetrieb
möglich sein müsste.
Farbenwahl:
Zuerst wurde nach der Farbgebung und
den Fahreinbauten Umsicht gehalten und die
künftig erfor- derlichen Farben und Einbauten
beschafft. Es
wurde nach Einblick in die Bauanleitung des Aeronaut
Bausatzes die Farbenauswahl vorgenommen. Sie gibt
folgende Farben vor: Rumpf
unten dunkelbraunrot RAL 8012,
Wasserlinienstreifen grauschwarz bis schwarz RAL
9005, Rumpf über Wasserlinie hellgrau RAL 7035,
Aufbauten und Masten hellgrau RAL 7035, kleinere Auf- baudecks
und Plattformen mittelgrau RAL 7038, Geschützmündungen,
Rinnstein, Ankerketten und Anker in RAL
9005. - Alle Farben seidenmatt. Nach
genauer Betrachtung des schön gefertigten Modells kam
der Verdacht auf, dass der Erbauer wohl hinsichtlich
der Farbgebung eine andere Wahl getroffen hat.
Meine Suche nach unterschied- lichen Farbversionen
stieß ich auf die vorhandene dunkelgraue Version, die
das Schiff 1944 hatte. Im
Hinblick auf die erhebliche Schwierigkeit, die am Deck
befindlichen Aufbauten, Geschütze usw. ohne
Beeinträchtigung der Decks, der Reling usw. bemalen zu
können entschied ich mich dazu, die Farbe
Dunkelgrau am Überwasserrumpf und den Aufbauten zu
belassen und nur den Unterwasser- rumpf in
Dunkellbraunrot RAL 8012 zu streichen. Einzig
problematisch ist dabei, dass diese Version 1944
am Bug und Heck mit einem Hakenkreuz an Deck bemalt war.
Ob das immer vorhanden war konnte nicht
geklärt werden.
Einbautenbeschaffung:
Nun erfolgte die Einbautenbeschaffung
bestehend aus 2
Schiffschraubenwellen M2, 2 Propeller M 2 R
und L mit Propellern MS 3 Blatt
25Dm und vorerst 2 Motore Mabuchi RS 36. Allerdings sind
die Motore
zu groß und daher wurden neu 370ziger Motore mit relativ
niedriger Drehzahl angekauft. Da solche Motore
bis zu 2 Monate Lieferzeit gehabt hätten, wurden zwei
Vibrationsmotore mit ent- sprechender Leistung
und Drehzahl gekauft. DIe Schwunggewichte der Motore wurden
entfernt.
Rumpfarbeiten:
Um ausreichend Platz für die Einbauten zu bekommen,
musste der mittige Steg im Rumpf entfernt werden.
Mit einer kleinen E - Kettensäge gelang das und danach
konnte der
Ausruch des Holzteils erfolgen. Mit dem Bandschleifer
wurden die Wände geglättet. Weiters wurde mit dem
Bandschleifer im Heck Platz für das
kleine Ruderservo ausgeschliffen. Nach dem Einbau
des Servos wurde für die Anlenkung des Ruders eine
Ruderhebel aus Blech ange- fertigt. Damit der
Ruderhebel freien Raum für die Bewegung bekommt, musste
der Schwenkbereich für den Ruderhebel mit dem
Dremel Schleifer ausgefräst werden. Schließlich wurde
entsprechend den Angaben in der Aeronaut
Bauanleitung die Ruderfläche vergrößert und ein neues
Ruderblatt eingelötet. Die Erprobung der
Ruderfunktion verlief erfolgreich.
Nachdem
nun die Wellen und Propeller angekommen sind, konnten sie in
die zuvor mit Wellenfett befüllten Stevenrohre
eingeschoben werden. Die langen Wellen mussten in
Abstimmung mit den Mo- toren gekürzt werden.
Für den Betrieb sollen die Motore mit den Wellen mittels
einer Gummirohr- Wellenverbindung gekuppelt
werden,
wodurch ein leiser Lauf mögich wird. Während
der Wartezeit auf die Gummikupplungen wurde der
Unterwasserumpf in Rostbraun ange- strichen.
Zur Trocknung wurde er im Heizraum oben am Kessel
aufgelegt.
Befestigung
des Mittelaufbaus:
Um einen einfachen Zugang zu den technischen
Einrichtungen und zum Akkuwechsel zu bekommen, wird
der gesamte Mittelaufbau abgenommen. Die Halterung und
Zentrierung des Aufbaus wurde durch einen
Balsaklotz vorne und hinten bewerkstelligt. Vorne wird
der Balsaklotz unter das vordere Deck gesteckt
und der Aufbau hinten abgesenkt. Mittels eines kleinen
Neodym-Magneten im Aufbau wird der zu einem
kleinen Belchstreifen hingezogen und hält den Aufbau.
Der Blechstreifen wurde mit Stabilit an der
Unterseite des hinteren Decks angeklebt und beim Klebe-
vorgang mit einem Magenten an die Unterseite des Decks
angezogen. Da nach der ersten Klebung des
Magneten im Aufbau nich gut auflag, musste das hintere
Ende des Decks nachgearbeitet und die Auflage
des Neodym Mangenten um 1mm vertieft werden.
Auswiegen
und Probelauf
Endlich konnte mit der
Vorbereitung zur Auswiegung des Modells kommen. Dazu
wurde das Modell am Rumpfboden mit Bleiplatten
belegt und die Einbauten wie Motorer, 2S- Akku, Regler und
Empfän- ger eingebracht. Danach konnte es auf die
Waage gelegt werden, um zu sehen, ob das Gewicht dem des vom
Forum Kollegen errechneten von max. 2000g entspricht. Es
wurde vorerst die Differenz auf 1950g, das sind
ungefähr zusätzliche 700g
Bleiplatten vorbereitet, die nach dem Aushärten des
Rumpf- anstrichs provisorisch im Rumpf untergebracht
wurden. Danach konnte in der
Badewanne der wichtige Schwimmtest und die Austrimmung des Schiffs
vorgenommen werden.
Nach der ersten
Trimmung des Modells konnten die Einbauten an ihrem Ort
befestigt werden, was eine neuerliche Nachtrimmung
erforderte. Gleich anschließend wurde der Test des
Antriebs durchge- führt und die Dichtheit
des Modells in einem mehrminütigen Probelauf der Motore
überprüft. Trotz vieler Versuche, das Schiff
durch die Verschiebung des Akkus in die Waagrechte zu
bekommen ist keine befriedigende Lösung
erreicht worden. Geringste Verschiebung
des Akkus führt zum mehr oder weniger starkem Krängen
des Modells.
Der Antriebstest mit dem
2S Akku lässt erkennen, dass das Modell vorbildähnlich
fahrbar wäre. Obwohl die Wasserlinie knapp
erreicht wird, scheinen mir die Möglichkeiten das
Modell flotter fahren zu lassen als unmöglich.
Aus Erfahrung mit anderen ähnlichen Schiffen werden selbst
geringe Seitenwinde das Modell erheblich
krängen lassen und geringer Wellengang würde den Einsatz
ganz verunmöglichen! Wie es scheint, ist die
Bauform mit dem Holzrumpf in Schichtbauweise und mit den
alten Aufbauten eigentlich nur für die Verwendung
als Standmodell geeignet. Wie ich mit dem Modell weiter
verfahren werde, muss ich noch überlegen, denn
als Standmodell mag ich es aus Platzgründen nicht und
vor dem Einsatz am Wasser habe ich große Sorge.
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Scheer im derzeitigen Bautustand |
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so sah das Modell vorher aus |
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Blick in den Holzrumpf |
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die verschmutzten Aufbauten |
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für die funktionierende Ruderanlenkung wird noch zu
arbeiten sein |
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die künftige Farbgebung |
Reparaturbeginn:
Aufbau vor der Aufklebung |
Aussehen nach Reinigung und Reparatur |
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der Steg ist getrennt |
Steg entfernt |
Blick auf die Ruderanlage |
Asicht Heck mit neuen Ruder |
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Ansicht der Aufbaudetails |
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Unterwasserrumpf lackiert |
Blechstreifen+Stabilit mit Magnet zur Klebung
hochgezogen - Magnethalterung |
Gewichtsverteilung nach dem Auswiegen |
fast fertig - vor Wassertest |
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Schiff theoretisch fertig |
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