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   BR 01 097 - F 800/3026   -    Restaurierung und Umbau
 
 Die Baureihe 01 hat schon ein begeisterndes Aussehen. Wen wunderts also,
 wenn auch im kleinen Maßstab diese Lokomotiven ein Modellbauerherz höher
 schlagen lassen. In meinem Fall kommt noch eine Sammelleidenschaft dazu, da
 ja die Modelle dieser BR 01 in den Jahren ihrer Erzeugung immer wieder kleine
 Änderungen erfuhren. Weiters kommt noch dazu, dass ich die alten Modelle mehr
 schätze, da sie eben für Kinder noch spielbar sind und für mich eine Erinnerung an
 meine Kindheit. Auch liegt mir die altgewohnte Analogtechnik im Fahrbertrieb
 einfach näher als die neue und faszinierende Digitalsteuerung des Modellbahn-
 betriebes. 
 Dass ein Gusskessel aus den Fünfzigerjahren deutlich weniger detailiert und
 maßstäblich genau ausgeführt ist, stört mich nicht. Natürlich sehen heutige Lokomo-
 tivmodelle toller aus, doch wie in einem Fall von mir, habe ich beim Herausnehmen
 des Modells aus der Verpackung, schon Griffstangen verbogen und abgebrochen.
 Weis Gott, federnde Puffer am Modell sind toll, aber am fahrenden Modell von mir
 nicht mehr zu erkennen. Mir genügt, wenn die Lok sauber und möglichst störungs-
 frei läuft.

 F800  3-L-DC  (Wechselstromrückbau)

 F800 - 3026
 
 Nun findet man beim Stöbern bei ebay immer wieder interessante ältere Modelle, die vom Sammlerwert
 gesehen, meist eine höhere Wertigkeit haben als andere typgleiche Loks. So fand ich das hier zur Restaurie-
 rung beabsichtigte Modell einer BR 01, Nr 3026. Das Besondere ist dabei, dass es für mich ein frühes Modell
 möglichst aus den Jahren 1958 - 59 sein sollte. Damals hatten diese Loks die Modellnummer F 800 und ich
 denke, erst später dürfte dann die Unterscheidungsnummer 3026 dazugekommen sein. Oder war es gleich-
 zeitig? Egal, ich habe eine interessante Lok dazubekommen, die ich schätze.

 Das für mich Besondere an dieser Lok war, dass sie wie bei Märklin üblich, mit einem Schleifer versehen ist,
 jedoch mit Gleichstrom betrieben wird. Nun habe ich nachgelesen und herausgefunden, dass HAMO Gleich-
 stromloks gebaut hat, jedoch konnte ich nicht herausfinden, ob das in meinem Fall auch wirklich zutreffend ist,
 denn es könnte mir auch ein Bastelobjekt in die Hände gefallen sein. Weiters habe ich erhoben, dass man ja
 auch HAMO-Dauermagneten bei Wechselstromloks nachrüsten kann und dann Gleichstrombetrieb möglich
 ist. Inzwischen bin ich schlauer geworden und weis, dass HAMO nur Zweileiter-Gleichstromloks gebaut hat.
 Offenbar muss es also die Märklin-Lok auch im Dreileitersystem mit Gleichstrom offiziell gegeben haben.
 Gleich wie, dass meine Lok ein älteres Modell aus den Jahren bis 1960 ist, scheint mir heute halbwegs sicher.
 Zu dieser Zeit war ich sechs Jahre alt und konnte von so einer Schnellzuglok nur träumen und war überglücklich,
 dass ich damals zu Weihnachten eine Anfangspackung mit einer BR 24 bekommen habe.

 Nachdem ich meine Loks aus dem Zweileiter-Systemkreis mangels Anlage ohnedies nicht fahren lassen
 kann/konnte, so dachte ich, wird auch dieses Modell eben nicht fahren. Doch auf der Wiener Modellbaumesse
 2013 wurde ich von den Märklinfreunden aufgeklärt, den Motor als Gleichstrommotor zu belassen und die
 Fahrtrichtungsumkehr mit modernster Technik aus dem Digitalfahrbetrieb, zu bewerkstelligen. Somit könnte
 diese Lokomotive dann auch im analogen Märklin Wechselstrombetrieb gefahren werden. Wie nachfolgend
 beschrieben, kam es dann aber doch anders.


 Die Restaurierung / später Umrüstung auf Wagner Windleitbleche und Rückbau auf Wechselstrom
 
 F 800 - DC:
 Nach dem Erhalt der Lok wurde eine genaue Prüfung durchgeführt, was an dem Modell anders ist als auf
 den Bildern von den gleichen Loks im Internet. Optisch war zu erkennen, dass die Pufferbohle eine andere
 ist, nämlich eine die den sonst üblichen Kupplungshaken aufnehmen kann. Das zu beheben wird auch eine
 Herausforderung der Feinmechanik werden, oder ich bekomme die notwendigen Ersatzteile für den Umbau.
 Weiters fehlen sämtliche Silberdraht Leitungen am Kessel und die Griffstangen beim Führerstand. Weiters
 fehlt die Lichtplatte für die Stirnlampen und alle Gehäuseschrauben. Der Tender stammt vermutlich von einer
 01 neuerer Baujahre ist aber nicht aus Metall. Doch dazu passen tut er.
 
 Nachdem die Äußerlichkeiten geprüft wurden, ging es an die Mechanik und den Motor. Da gab es nicht viel
 zu bemängeln, abgesehen von den Ölern, deren Einlagen zerfallen waren und entfernt worden sind. Nach
 deren Erneuerung entstand die brennende Frage: ..."und mit Gleichstrom läuft sie?" - Mit Hilfe eines unmittel-
 bar verfügbaren regelbaren Netzteiles konnte der Test erfolgen und siehe da, sie läuft perfekt in beiden Rich-
 tungen. Bei dem etliche Minuten dauernden Testlauf verlor sich das Vorlaufdrehgestell, doch genügte es, die
 Schrauben wieder festzuziehen. Nun muss auf die Lampenhalterung und den Lampenbügel gewartet werden
 und nach deren Montage kann Kontakt zu den Märklinfreunden wegen des Decoders aufgenommen werden.
 Betreffend die Motorisierung hatte ich mich entschlossen, auf Wechselstromantrieb umzusteigen. Leichter
 gesagt als getan, denn schwups hatte ich ein zweites Fahrgestell mit Motor und Umschalter, sogar für Telex-
 betrieb.
 Bei den Erhebungen zum Modelljahr dieses Fahrgestells fand ich heraus, dass es sogar zwei Jahre älter sein
 könnte als die erste F 800. Also werde ich mich jetzt dieser Lok zuwenden und sie mit einem Kessel mit origi-
 naler Pufferbohle usw. bestücken. Die erste F 800-DC bleibt daher in dem ursprünglichen Zustand mit Gleich-
 strommotor bestehen.

 Mühsam wurde ein Alu-Silberdraht mit 1,2 mm Durchmesser gefunden, den man für die Rohrleitungen
 am Kessel verwenden kann. Später wurden jedoch alle Leitungen durch einen 0.8mm Silberdraht ersetzt. Die
 Haltesplinte mussten ebenfalls aus dem Silberdraht gefertigt werden. Mit schlechten Augen und wenig Licht
 war das eine echte Herausforderung. Doch es klappte dann doch und ich gebe mich mit dieser Variante zufrie-
 den. Zufrieden geben werde ich mich wohl auch mit der Pufferbohle ohne Haken. Die Lampenbügel mit Haken
 sind eine echte Rarität... Inzwischen habe ich eine Ersatzvariante gefunden, einen Lampenbügel aus schwar-
 zem Stahldraht und leicht zu montieren.

 Zeit verging seit der Renovierung und ich erfuhr, dass es frühe BR 01 Loks mit Wagner Windleitblechen gab.
 Also besorgte ich mir welche und baute sie um. - Darüber hinaus entschloss ich mich, einen Wechselstroman-
 trieb für die Lok zu beschaffen und einzubauen. Es wäre zu schade, dass diese geänderte Lok später nicht
 auf einer vielleicht einmal von mir für meinen Enkel eingerichteten Märklin M-Gleisanlage fahren können würde.

 
 3026 / F 800:
 Der Aufbau der 3026 stellt sich auch nicht gerade einfach heraus. Zum Fahrgestell müssen noch die Vor- und
 Nachlaufdrehgestelle beschafft werden, der Kessel, die Lampenplatten, ein Fahrtrichtungsumschalter usw.
 Zum Glück konnte ich einen exakt dazu passenen Tender mit Telexkupplung kaufen. Inzwischen habe ich die
 wesentlichen Teile ersteigert und warte auf deren Lieferung.
 
 Das Fahrgestell wurde inzwischen gereinigt und geölt und mit dem zugekauften Fahrtrichtungsumschalter
 bestückt. Nun ging es daran herauszufinden, welcher Zungenkontakt mit welchem Kabel beschaltet werden
 muss. Motorschaltungen aus dem Internet zeigten diesen Umschalter leider nicht. Mit Logik, Geduld und Ver-
 suchen fand sich dann bald die Lösung: Die Feldwicklungskabel gehen an die zwei oberen Kontaktfahnen.
 Die untere dritte Fahne ist für die Telexspule. Deren zweites Kabel geht an Motorplus. Der Fahrtrichtungsum-
 schalter ermöglicht dann eine Umschaltung von einer Fahrtrichtung in die andere mit zweimaligem Schalt-
 impuls. Drückt man nur einmal bleibt die Fahrtrichtung bestehen und Telex entkuppelt solange bis ein zweites
 Mal der Schaltimpuls zur Fahrtrichtungsumkehr gegeben wird. - So weit so gut.

 Ein Hammer ist jedoch die Einstellung des Hauptschaltkontaktes am Umschalter. Der schaltet den Strom
 zum Motor durch. Dieser Schaltkontakt ist an sich genial, denn bei richtiger Einstellung macht die Lok keine
 "Bocksprünge" mehr! Die Einstellung ist deshalb sehr schwierig, da man erst draufkommen muss, was, wann,
 wo und wie er schaltet. Die übliche Rückzugfeder am Schaltrelais macht hier vorerst die geringsten Probelme.
 
 Einstellung des Motorhauptkontaktes auf der Schalteroberseite: Wesentlich für die Funktion ist ein gewisser
 Kontaktdruck, der so groß sein muss, dass der Motorkontakt nicht feuert. Den kann man mit größter Vorsicht
 so einstellen, dass man den Ausrückhebel in die Schaltstellung hineindrückt, sodass der darunter liegende
 Hebekontakt ein Gegenlager bildet welches dann ermöglich, die Kontaktfeder leicht einzudrücken und damit
 vorzuspannen. Dadurch senkt sich der vordere Federteil etwas ab und erzeugt so mehr Druck. Allerdings ver-
 dreht sich dadurch ungewollt der Motorschaltkontakt, den man dann mit einer Pinzette und nur unter gaaanz
 zartem Anheben, wieder horizontal hinbiegt. Sieht man von der Seite in den Kontaktbereich hinein, erkennt man
 die Abhebebewegung des Motorkontaktes sehr schön.
 Der springende Punkt kommt zuletzt, nämlich die Einstellung, wann der Kontakt beim Anziehen des Relais
 den Motorkontakt abhebt. Jetzt darf man nicht mehr an der oberen Schaltfahne herumwerkeln, denn dann
 beginnt das bisherige Einstelldrama wieder von vorne. Um den richtigen Schaltpunkt zu erhalten, kann man
 den Handausrückhebel am Kopf des Relais dementsrechend leicht verbiegen. Ist das geschafft, dann darf man
 an der Sache nix mehr herumdrücken und nachbessern, denn sonst geht alles wieder von vorne an.
 
 Der allerletzte Schritt kann sein, dass bei Volllasteinstellung das Relais anzieht. Genau jetzt ist eine Erhöhung 
 der Federkraft der Rückstellfeder notwendig. Hat man das alles geschafft, dann macht es Spass, diese
 Fahrtrichtungsänderungen und Entkupplungsvorgänge ständig durchzuführen. - Und, so lange der Kessel nicht
 montiert ist, streng darauf achten, das Fahrgestell immer so anzugreifen, dass man ja nichtmehr an den
 Kontakten am Schaltrelais ankommt!
 Wie heikel das ist zeigte sich beim Anschluss des Tenders, denn da lag die Lok am Rücken und ... schon war
 der Hauptkontakt wieder verbogen. Der Reparaturversuch wurde nach vielen Stunden erfolglos abgebrochen,
 denn die so wichtige Kontaktfeder brach ab. Somit musste ein neues (gebrauchtes) Umschaltrelais montiert
 werden, welches sich zum Glück in weit besserem Zustand beand als meine betagten Bastelexemplare.

 Ein weiterer ganz heikler Punkt beim Schaltrelais besteht in den dünnen Anschlusskabeln der Relaiswicklung.
 Der eine geht zum Anschluss des Stromkabels vom Schleifer, das zweite Kabel ist an der kleinen Lötfahne der
 bei der Relaisbefestigungsschraube angelötet. Es ist dort dringend darauf zu achten, dass diese Lötfahne
 immer in der Platine eingehängt bleibt. Verdreht sie sich, dann ist eine neue Anschlussherstellung mit dem
 abgerissenen Wicklungsdraht sehr kritisch!
 
 Der zugekaufte etwas ramponierte Kesselteil der Lok ist geliefert worden. Offenbar hat jemand hier "gealtert",
 doch das mag ich nicht. Fazit, eine Totallackierung steht an, wobei auch der Tender mitlackiert wird. Seltsam
 ist bei dem Kessel die Färbung der Rohrleitungen, die hier messingfarben ist. War das ursprünglich so?, ich
 glaube nicht. - Ungeachtet dessen wird mit Nitroverdünnung der Lack der Lok entfernt. Beim Tender wird wohl
 Waschbenzin zur Reinigung  verwendet. Die Lackierung mit einer  Spraydose "Belton Schwarz/Seidenmatt"
 ging rasch vonstatten.
 Dann folgte der Einbau der neuen "Rohrleitungen" aus Silberdraht. Schließlich konnten die diversen Teile die
 mit eíner roten Farbe lackiert sind auch mit Revell rot seidenmatt gestrichen werden.
 Jetzt sieht die Lok fast wie neu auch, doch irgendwie beeinträüchtigen die abgebrochenen Stiegen am Kessel
 und am Tender das tolle Gesamtbild.

 Zusammenfassung:
 Beide Loks sind jetzt in sehr schönem und gut gewartetem Zustand. Beide Loks laufen anstandslos und der
 Telexumschalter funktioniert korrekt. Der Ankauf der vielen Einzelteile kostete doch einige Euronen, doch ge-
 messen am Preis mit dem diese Loks bei ebay zu kaufen sind (man aber beim Kauf sich über die Qualität
 doch nicht sicher sein kann), ist die Resraurierung doch insgesamt zufriedenstellend zu bezeichnen. Nicht zu
 vergessen wäre auch, dass mir das Zusammenfinden der Teile, die Wiederinbetriebnahme und die optische
 Aufwertung der Loks mir auch sehr viel Spass bereitet haben.
 
  
 F800 - DC
die F800 so wie sie jetzt fetrtig geworden ist      
       
neue Rohrleitungen werden montiert       
   
das Fahrgestell mit dem Gleichstrommotor  Vergleich der Fahrgestelle zwischen Gleichstrom- (vorne) und Wechsel stromantrieb    
       
 F800 - 3026      
das F800er Fahrgestell mit dem Umschaltrelais die Kontaktbelegung des Umschalters mit Telex Test des Tenders mit Telex-Kupplung ein älterer Umschalter wurde eingebaut und funktioniert
das zugekaufte Gehäuse wird zerlegt   die Aufstiegstreppe fehlt lackierfertiges Gehäuse
     
die einzelteile halbseitig lackiert die fertige Lokomotive    
       
     
   
Lokvergleich: hinten die 3026 vorn die F800-DC-3L